
der eigene Lebensstil – ein Ergebnis vielfältiger Lebensprozesse. Gleichzeitig ist mein Lebensstil ein
sichtbarer Ausdruck meines Bibelverständnis und meiner Gottesbeziehung. Christliche Ethik in der Theorie wird im Lebensstil konkret. Dies ist natürlich ein weites Feld und dabei sind es nicht nur die Themen Sexualität und Finanzen, die Konfliktpotential in sich bergen, sondern auch Bereiche wie einfacher Lebensstil oder Ernährung können Emotionen hervorbringen. Oft mache ich die Beobachtung, dass schon das Reden über die eigene Praxis bei anderen Christen eine Verteidigungshaltung hervorruft. So greifen wir in diesem Heft also durchaus ein spannendes Thema auf, das ganz
bewusst unsere Vorstellung von Normalität“ hinterfragen soll.
Christ sein findet seine Erfüllung nicht in einer individuellen Frömmigkeitspraxis, die jedes Hinterfragen oder jede Herausforderung routiniert an sich abtropfen lässt. Es geht um eine ausgewogene Balance zwischen dem Vater im Himmel und Schöpfer unserer Welt, dem Sohn Jesus Christus, der den Weg zum himmlischen Vater freimacht und dem Heiligen Geist, der das Leben erneuert, mich leitet und mir dabei hilft, die Auf träge Gottes im Leben umzusetzen.
Leider ist die gegenwärtige Christenheit oft zwischen diesen 3 Persönlichkeiten Gottes „aufgespalten“. Entweder ist die Hinwendung zu Jesus das Maß aller Dinge („Bekehrung ohne Lebensveränderung“) oder das Wirken des Hl. Geistes mit dem Wunsch nach immer neuen Gotteserfahrungen und den übernatürlichen Gaben steht im Fokus des Glaubens. Auch wenn sich diese beiden Prägungen der Christenheit in den letzten Jahren angenähert haben, besteht zur dritten, der sogenannten „liberalen“ Prägung, die sich z. B. in der Sensibilität gegenüber der Schöpfung äußert, leider immer noch eine große Distanz. „Würde Jesus bei Lidl einkaufen?“, ist nicht nur ein abgewandelter Buchtitel, sondern durchaus auch eine ethische Frage, über die Christen nachdenken sollten.
Gerade die jährliche Fastenzeit ist eine ideale Gelegenheit, sich mit der Schöpfungsverantwortung aus einander zu setzen, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen und das Leben ggf. neu auszurichten. Dazu wollen wir mit dieser Ausgabe Anstöße geben.
Für mich ist es die letzte Ausgabe des Mittendrin, die ich verantworten darf. Meine Stelle im CVJM Stuttgart war zeitlich befristet, und so haben die Freunde aus dem CVJM Braunschweig meine Frau und mich gefragt, ob wir uns in den „hohen Norden“ aufmachen würden, was wir zum April nun auch tun werden. Damit verabschiede ich mich von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, und danke Ihnen für Ihr aufmerksames Lesen unseres Magazins.
Herzliche Grüße
Rainer Hopper