
ein Text von Wolfgang Günther
Wenn wir im CVJM Stuttgart vom „LebensHaus“ reden, meinen wir zunächst einmal das ganz konkrete Zusammenleben in unserem Haus – doch nicht nur! Wir verbinden mit dem Stichwort „LebensHaus“ mehr. Unsere ganze Arbeit ist darauf angelegt, dass gutes Leben gelingt. Wir wollen eine Gemeinschaft sein, in der Begegnungen stattfinden, die dem Leben in vielfältiger Weise dienen. Dafür steht der Begriff „LebensHaus“.
Menschen in der Großstadt erfahren sich in ganz unterschiedlichen Erlebniswelten. Zum einen gibt es eine Vielzahl von Freizeitangeboten, zum anderen wird man als Einzelner Mensch kaum wahrgenommen. Auf der einen Seite lebt die Sehnsucht nach Gemeinschaft, auf der anderen Seite will man sich ein höchstes Maß an Freiheit bewahren. Beides lässt sich auf Dauer nur schwer vereinen. Hinzu kommt, dass zwar eine große Sehnsucht nach stabilen Beziehungen besteht, aber das soziale „knowhow“ für die Gestaltung von Beziehungen fehlt. Immer mehr Menschen wohnen in unseren Städten, die ein stabiles Beziehungsnetz aus eigener Erfahrung nicht mehr kennen. Sie sind mit den Mechanismen, die ein vertrauensvolles Miteinander ermöglichen, nicht mehr vertraut. Die Familie als Ort der personalen Entfaltung des Menschen bietet den Rahmen zur Entwicklung eigenen Wertgefühls, Vertrauens, Identität, Angenommenseins und damit auch für den christlichen Glauben. Diese Aufgaben werden heute von Familien immer weniger wahrgenommen. Wir gehen davon aus, dass Familienleben häufig nicht mehr funktioniert. Es braucht Orte und Beziehungsangebote, wo diese Erfahrungen neu gemacht werden können. Als „LebensHaus CVJM“ wollen wir solch ein Ort sein. Wir wollen Erfahrungen und Kompetenzen vermitteln, wie Beziehungen nachhaltig gelebt werden können.
Dabei ist die Grundlage für die Arbeit im CVJM Stuttgart die Botschaft von der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt. Diese Liebe wird uns in der Bibel bezeugt, besonders anschaubar wird sie im Reden und Handeln Jesu. Durch diese Liebe kann sich Leben entfalten. Unser Selbstverständnis wird ausgedrückt in der „Pariser Basis“ (mit deren Zusatzerklärung), die für die weltweite CVJM-Bewegung bestimmend ist: „Die christlichen Vereine junger Menschen haben den Zweck, solche jungen Menschen miteinander zu verbinden, die Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heiland anerkennen, im Glauben und Leben seine Jünger sein, und gemeinsam danach trachten wollen, das Reich ihres Meisters auszubreiten.“ Durch unser LebensHaus wollen wir die Liebe Gottes bekanntmachen und Menschen in ihrer Beziehungsfähigkeit stärken. Sie sollen bei uns Annahme, Anerkennung und Ermutigung erfahren und die erforderlichen Kenntnisse für die Bewältigung der Herausforderungen des Lebens lernen. Wir beschränken uns bei unserer Arbeit nicht nur auf die Menschen, die zu uns kommen. Als „LebensHaus mobil“ wollen wir gezielt Menschen in ihren Lebensumfeldern aufsuchen. Erste Ansätze gibt es in den Schul- und Stadtteilprojekten. Außerdem gibt es regelmäßige Straßeneinsätze. Langfristig wollen wir dieses Segment stärker aktivieren (z. B. Mitarbeit bei Schullandheimen, Familienhilfe vor Ort, Gestaltung von Elternabenden an Schulen und Kindergärten usw.). So soll der CVJM zu einem Ort des Lebens werden, also zu einem „LebensHaus“, das Menschen auf vielfältige Weise Heimat bietet.